Collo gegen McDo

Das Modell · 12. Juli 2026

Gebühr, Miete, Werbung: wie McDonald's an seinen Franchisenehmern verdient

Fünfundneunzig Prozent der McDonald's-Restaurants sind Franchise-Betriebe. Der Geschäftsbericht 2025 des Konzerns bekennt sich schwarz auf weiß zu dem in den 1950er-Jahren entwickelten Hebel: dem Eigentum an den Immobilien.

Dieser Artikel ist ein Hintergrunddokument. Er berichtet öffentliche Tatsachen und Gerichtsentscheidungen, ohne Partei zu ergreifen. Die Quellen werden am Ende des Artikels genannt; wiedergegebene Äußerungen werden ihren Urhebern zugeschrieben.

Ein McDonald's-Franchisenehmer zahlt nicht nur eine Markengebühr. Er zahlt eine Gebühr, eine Miete und einen Werbebeitrag. Diese Architektur ist kein buchhalterisches Detail: Sie bestimmt, was geschieht, wenn ein Restaurant nicht mehr rentabel ist.

Was das offizielle Dokument sagt

McDonald's veröffentlicht in den Vereinigten Staaten ein Dokument für Franchisebewerber, Your Path to Becoming a McDonald's Franchisee. Darin heißt es unmissverständlich:

  • Vertragslaufzeit: „in der Regel 20 Jahre“;
  • Eintrittsgebühr: 45.000 Dollar; Mindestbareinlage von 25 % des Kaufpreises des Restaurants;
  • monatliche Servicegebühr: „ein Prozentsatz des Bruttoumsatzes des Restaurants (derzeit 4 %)“;
  • monatliche Miete: „in der Regel eine feste Grundmiete und ein Prozentsatz des Bruttoumsatzes des Restaurants“;
  • Werbung: „nicht weniger als 4 % des Bruttoumsatzes“.

McDonald's beziffert die Mietkomponente nicht. Die kursierenden Spannen (8 bis 15 % des Umsatzes) stammen von auf Franchising spezialisierten Drittseiten und nicht vom Unternehmen. Sie werden hier nicht als feststehend übernommen. Auf Franchise-Vermittlungsseiten liest man auch von einer „Betriebsgebühr von 20 %“: Diese Zahl hat keinerlei Grundlage in den offiziellen Dokumenten und fasst vermutlich Gebühr, Miete und Werbung zusammen.

Der Immobilienhebel, im Geschäftsbericht offen bekannt

Die Idee geht auf Harry J. Sonneborn zurück, der 1956 zu Ray Kroc stößt und vorschlägt, dass das Unternehmen die Immobilien seiner Restaurants besitzt, statt sich mit dem Kassieren von Gebühren zu begnügen. Zu diesem Zweck wird eine Gesellschaft gegründet, die Franchise Realty Corporation, deren erster Präsident Sonneborn ist; er wird 1959 der erste Präsident und Chief Executive Officer von McDonald's, bevor er 1967 zurücktritt.

Siebzig Jahre später wird diese Strategie weiterhin offen vertreten. Das Formular 10-K der McDonald's Corporation für das Geschäftsjahr 2025, eingereicht bei der SEC am 24. Februar 2026, formuliert es so:

„Im Rahmen der konventionellen Franchise ist die Gesellschaft in der Regel Eigentümerin des Grundstücks und des Gebäudes des Restaurants oder hält daran einen langfristigen Mietvertrag, und der Franchisenehmer bezahlt die Ausstattung, die Schilder, die Möblierung und die Dekoration. Die Gesellschaft ist der Ansicht, dass das Eigentum an den Immobilien in Verbindung mit der Ko-Investition der Franchisenehmer es ihr ermöglicht, ein Leistungsniveau zu erreichen, das zu den höchsten der Branche gehört.“McDonald's Corporation, Form 10-K, Geschäftsjahr 2025 (aus dem Englischen übersetzt)

Die Zahlen für 2025

Kennzahl31. Dezember 202531. Dezember 2024
Restaurants weltweit45 35643 477
davon Franchise-Betriebe43.317, also etwa 95 %41 432
Selbst betriebene Restaurants2 0392 045
Umsatz des gesamten Netzes (systemwide sales)129.675 Mio. $120.933 Mio. $
Von McDonald's Corporation verbuchte Erlöse26.885 Mio. $25.920 Mio. $
davon Erlöse aus Franchise-Restaurants16.548 Mio. $15.715 Mio. $
davon Umsätze der selbst betriebenen Restaurants9.690 Mio. $9.782 Mio. $

Die obigen Zahlen sind die der detaillierten Tabellen des 10-K 2025. Die Übersichtsseite desselben Dokuments nennt hingegen einen Netzumsatz „von 139,4 Milliarden Dollar“, einen Betrag, der weder mit der Tabelle (129.675 Mio. $) noch mit dem darin selbst angegebenen Wachstum von 7 % vereinbar ist. Wir übernehmen die Tabelle.

Der Abstand zwischen den 129,7 Milliarden Dollar Netzumsatz und den 26,9 Milliarden verbuchten Erlösen fasst das Modell zusammen: McDonald's kassiert nicht den Umsatz der Restaurants, sondern schöpft einen Teil davon ab - in Form von Gebühren und Mieten. Das 10-K formuliert es so: Die konventionellen Franchisenehmer tragen zu den Erlösen der Gesellschaft „hauptsächlich durch die Zahlung einer Miete und von Gebühren auf Basis eines Prozentsatzes der Umsätze, mit festgelegten Mindestmietbeträgen“ bei, hinzu kommen die Eintrittsgebühren. Und es fügt hinzu, dass dieses „stark franchisierte“ Modell „darauf ausgelegt ist, stabile und vorhersehbare Erlöse zu erzielen“.

Das Segment, zu dem Frankreich gehört, ist zu 89 % franchisiert. In Frankreich selbst gibt McDonald's etwa 1.589 Restaurants und mehr als 76.000 Beschäftigte unter der Marke an; das Unternehmen veröffentlicht weder seinen französischen Umsatz noch die Zahl seiner Franchisenehmer.

Warum das in einem Rechtsstreit zählt

Ein Franchisenehmer, dessen Restaurant defizitär wird, schuldet deshalb weiterhin die Mindestmiete und die Gebühr: Diese Beträge bemessen sich am Umsatz, nicht am Ergebnis. Es ist der Mechanismus, von dem die Akte aus Antibes Restaurant für Restaurant Spuren trägt: die Briefe von Bernard Collorafi zu den Gebühren angesichts des Umsatzrückgangs, jene zu den unbezahlten Mieten und der Liquidität sowie das vom Berufungsgericht Paris angeordnete gerichtliche Gutachten, das sich gerade mit der Rentabilität und den Gebühren befasste.

Schließlich ist anzumerken, da sich die Frage des Gebietsschutzes durch die Akte zieht: Der McDonald's-Vertrag beinhaltet keine Gebietsexklusivität, wie ein Brief des Konzerns an seinen Franchisenehmer von 1997 in Erinnerung ruft. Die zwanzigjährige Laufzeit des Vertrags wiederum beschrieb bereits 1996 Franchise Magazine.

Quellen

Externe Links zu den Originaldokumenten und -veröffentlichungen. Die von McDonald's veröffentlichten Dokumente werden ohne Link zitiert.

  1. McDonald's Corporation - Form 10-K, Geschäftsjahr zum 31. Dezember 2025 (eingereicht am 24. Februar 2026) - U.S. Securities and Exchange Commission (EDGAR)
  2. Your Path to Becoming a McDonald's Franchisee (offizielles Dokument, PDF) - McDonald's USA
  3. Unsere Kennzahlen (Frankreich) - McDonald's France (offizielle Website)
  4. Harry J. Sonneborn - Wikipedia (en)
  5. History of McDonald's - Wikipedia (en)

In der Akte Collorafi

Die Originaldokumente des Prozesses, die mit diesem Artikel in Zusammenhang stehen.

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