Collo gegen McDo

Große Prozesse · 21. Juli 2026

In den Vereinigten Staaten klagen Franchisenehmer gegen McDonald's – und organisieren sich

Seit 2020 verklagen ehemalige afroamerikanische Franchisenehmer das Unternehmen wegen Diskriminierung bei der Vergabe von Restaurants. Die Verfahren sind anhängig, die Vorwürfe nicht entschieden. Parallel dazu haben die amerikanischen Betreiber ihre erste unabhängige Vereinigung gegründet.

Dieser Artikel ist ein Hintergrunddokument. Er berichtet öffentliche Tatsachen und Gerichtsentscheidungen, ohne Partei zu ergreifen. Die Quellen werden am Ende des Artikels genannt; wiedergegebene Äußerungen werden ihren Urhebern zugeschrieben.

Der Franchisevertrag schafft eine besondere Abhängigkeit: Der Franchisenehmer investiert sein Kapital, doch der Franchisegeber entscheidet, welches Restaurant ihm angeboten wird, wo und zu welchen Bedingungen er weitere erwerben kann. Seit 2020 fechten mehrere Gruppen ehemaliger amerikanischer Franchisenehmer vor Gericht an, wie McDonald's diese Macht ausgeübt hat. Diese Verfahren sind größtenteils noch anhängig: Das Folgende gibt Vorwürfe und Verfahrensentscheidungen wieder, keine gerichtlich festgestellten Tatsachen.

Der Fall Crawford und seine Folgen

Am 31. August 2020 rufen 52 ehemalige afroamerikanische Franchisenehmer, Betreiber von etwa 200 Restaurants, das Bundesgericht für den nördlichen Bezirk von Illinois an, gestützt auf 42 U.S.C. § 1981, das Rassendiskriminierung bei Verträgen verbietet. Sie fordern mehr als 800 Millionen Dollar. Eine geänderte Klage erhöht die Zahl der Kläger auf etwa 77.

Was sie vorbringen: McDonald's habe sie systematisch zu weniger rentablen Standorten gelenkt – benachteiligte Viertel, höhere Versicherungs- und Sicherheitskosten –, ihnen dieselben Wachstumschancen und dieselbe finanzielle Unterstützung wie weißen Franchisenehmern verweigert und den Erwerb eines rentablen Restaurants an die Übernahme heruntergekommener Betriebe geknüpft.

Was McDonald's erwidert: CEO Chris Kempczinski erklärte: „Wir bestreiten die Vorwürfe dieser Klage und beabsichtigen, uns energisch zu verteidigen.“ In einem Schriftsatz vom Oktober 2020 bezeichnen seine Anwälte die These als „unlogisch“ und machen geltend, sie „unterstellt, das Unternehmen habe irgendwie ein Interesse daran, seine eigenen Franchisenehmer zu untergraben und scheitern zu sehen“.

Was ein Richter tatsächlich entschieden hat: Am 28. September 2022 gibt Richter Steven C. Seeger dem Antrag auf Abweisung der geänderten Klage statt – erlaubt den Klägern jedoch, sie neu zu fassen. Es handelt sich also nicht um eine endgültige Abweisung in der Sache. Die Debatte betrifft insbesondere die für Section 1981 geltende Verjährung. Zwei verbundene Verfahren, Manning (48 Kläger) und King (31 Kläger), sind beim selben Richter anhängig; im September 2025 waren die Parteien noch mit Verfahrensfragen befasst, ohne Termin für eine Verhandlung in der Sache.

Der Fall Byrd: abgewiesen, dann verglichen

Die Brüder James und Darrell Byrd, Betreiber von vier Restaurants in der Region Memphis, hatten eine ähnliche Klage erhoben. Richter Harry Leinenweber wies sie im Juni 2021 ab, da sie keine Ungleichbehandlung gegenüber nicht schwarzen Eigentümern dargelegt hätten. Am 10. Dezember 2021 beendet ein Vergleich den Rechtsstreit: McDonald's kauft die vier Restaurants für 6,5 Millionen Dollar zurück, und die Byrds verlassen das Netz. Das Unternehmen erklärt damals:

„Diskriminierung hat bei McDonald's keinen Platz, und obwohl wir von der Stärke unserer Position überzeugt waren, ermöglicht dieser Vergleich allen, auf eine einvernehmliche Lösung hinzuarbeiten.“McDonald's, Dezember 2021 – aus dem Englischen übersetzt

Das Unternehmen betonte, keines Verstoßes für schuldig befunden worden zu sein. Es kündigte außerdem eine Zusage von 250 Millionen Dollar über fünf Jahre zugunsten von Franchisenehmern aus Minderheiten an.

Der Werbestreit von Byron Allen

Getrennt von den vorigen Fällen forderte das am 20. Mai 2021 vom Medienunternehmer Byron Allen angestrengte Verfahren 10 Milliarden Dollar. Seine These: McDonald's habe seine Sender in ein werbliches „afroamerikanisches Segment“ mit einem weit geringeren Budget verbannt; laut Klage gingen 2019 weniger als 5 Millionen Dollar von 1,6 Milliarden Dollar Werbebudget an Medien in schwarzem Besitz.

Am 4. Dezember 2024 weist Richter Fernando Olguin den Antrag von McDonald's auf ein summarisches Urteil ab – und bezeichnet seine Entscheidung als „Grenzfall“ – und lässt das Verfahren vor einer Jury zu. Im Juni 2025, wenige Wochen vor der Verhandlung, vergleichen sich die Parteien. Die Bedingungen werden nicht bekannt gegeben, und kein Fehlverhalten wird eingeräumt.

Die Franchisenehmer organisieren sich

Eine weitere, weniger kommentierte Tatsache sagt etwas über den Zustand der Beziehungen im Netz aus. Im Herbst 2018 kommen mehr als 400 amerikanische Betreiber in Tampa zusammen und gründen die National Owners Association – die erste unabhängige und selbstfinanzierte Betreibervereinigung in der amerikanischen Geschichte der Marke. Ihr Initiator Blake Casper, Betreiber in dritter Generation, hebt den Verlust der Kontrolle über die Menüpreise hervor:

„Unsere Fähigkeit, die Preise unserer Menüs festzulegen, ist vielleicht einer der letzten Hebel, die uns bleiben.“Blake Casper, National Owners Association, 2018 – aus dem Englischen übersetzt

McDonald's antwortete: „Wir begrüßen stets einen konstruktiven und kooperativen Dialog mit unseren Franchisenehmern, und er ist uns wichtig.“

Das Echo in Antibes

Die zentrale Beschwerde dieser Verfahren – die Vergabe der Standorte und der Schutz des Tätigkeitsgebiets – ist genau diejenige, die Bernard Collorafi 1997 vorbrachte, als er die Ansiedlung eines Restaurants in seinem Einzugsgebiet beanstandete und McDonald's ihn an das Fehlen einer Gebietsexklusivität in seinem Vertrag erinnerte. Die Rechtssysteme unterscheiden sich, die Tatsachen ebenfalls; die an die Systemzentrale gerichtete Frage ist gleicher Natur.

Warum der Standort der Kern des Rechtsstreits ist

Der zentrale Vorwurf dieser Betreiber ist nicht, im Alltag schlechter behandelt worden zu sein, sondern zu Restaurants in Gebieten mit geringem Umsatzvolumen und hohen Betriebskosten gelenkt worden zu sein. Mit anderen Worten: Die Anfechtung betrifft das Einzugsgebiet – das Gebiet, aus dem die Kundschaft kommt – und die Art, wie die Standorte vergeben wurden.

Dass der Standort über alles entscheidet, liegt an der Struktur des Modells. In der von Harry Sonneborn erdachten Konstruktion zahlt der Betreiber nicht nur eine umsatzbasierte Gebühr: Er zahlt auch eine Miete an das Netz, das den Mietvertrag hält. Eine Miete ist jedoch eine Fixkost: Sie ist geschuldet, ob das Restaurant läuft oder nicht. Ein schlechter Standort senkt die Kosten also nicht proportional – er erdrückt die Marge.

Beklagte ist in all diesen Verfahren die McDonald's Corporation – die Gesellschaft, die die Standorte vergibt und die Standards vorschreibt. Wer den Stand dieser Rechtsstreitigkeiten überprüfen will: Die Rubrik „Legal Proceedings“ des Jahresberichts 10-K, der jedes Jahr bei der SEC eingereicht wird, führt die wesentlichen Verfahren auf.

Quellen

Externe Links zu den Originaldokumenten und -veröffentlichungen.

  1. Black ex-franchisees file racial discrimination lawsuit against McDonald's (Crawford, 31. August 2020) - Forbes
  2. Ursprüngliche Klageschrift – Crawford v. McDonald's USA, LLC (PDF) - The Ferraro Law Firm
  3. McDonald's seeks dismissal of racial discrimination lawsuit (Position des Unternehmens, Oktober 2020) - CNBC
  4. Judge dismisses lawsuit against McDonald's by Black franchisees (Byrd, Juni 2021) - CNBC
  5. McDonald's and Memphis-area Byrd brothers settle lawsuit (Dezember 2021) - Tri-State Defender
  6. Byron Allen and McDonald's reach settlement (Juni 2025) - Variety
  7. McDonald's operators move to form franchisee association (National Owners Association, 2018) - Nation's Restaurant News

In der Akte Collorafi

Die Originaldokumente des Prozesses, die mit diesem Artikel in Zusammenhang stehen.

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