Collo gegen McDo

Kurioses · 26. August 2026

Der Big Mac Index: ein Scherz, der zum weltweiten Standard wurde

1986 erfindet The Economist einen Wechselkursindex auf Grundlage des Preises eines Hamburgers. Die Zeitschrift stellte ihn als „einen leichtfüßigen Leitfaden“ vor. Heute steht er in Wirtschaftslehrbüchern und war Gegenstand von rund zwanzig wissenschaftlichen Studien.

Dieser Artikel ist ein Hintergrunddokument. Er berichtet öffentliche Tatsachen und Gerichtsentscheidungen, ohne Partei zu ergreifen. Die Quellen werden am Ende des Artikels genannt; wiedergegebene Äußerungen werden ihren Urhebern zugeschrieben.

Der Big Mac wird in rund sechzig Ländern nach einem nahezu identischen Rezept verkauft. Diese Einheitlichkeit brachte The Economist 1986 auf die Idee, daraus ein Messinstrument für Wechselkurse zu machen.

Das Prinzip

Der Index beruht auf der Kaufkraftparität. Die Zeitschrift erklärt sie so: Der Theorie zufolge sollen sich „die Wechselkurse langfristig auf den Kurs zubewegen, der den Preis eines identischen Korbs von Waren und Dienstleistungen – hier eines Hamburgers – in zwei beliebigen Ländern angleichen würde“.

Kostet ein Big Mac in den Vereinigten Staaten 6,12 Dollar und in China 25,5 Yuan, beträgt der „implizite“ Wechselkurs 4,17 Yuan pro Dollar. Liegt der tatsächliche Kurs deutlich darüber, ist die chinesische Währung dem Index zufolge unterbewertet.

Ein bewusster Scherz

Die Zeitschrift hat nie das Gegenteil behauptet, und das muss man ihr zugutehalten:

„Der Big-Mac-Index wurde 1986 von The Economist als leichtfüßiger Leitfaden erfunden, um festzustellen, ob Währungen auf ihrem ‚richtigen‘ Niveau liegen. […] Die Burgernomics war nie als präzises Maß für Fehlbewertungen von Währungen gedacht, sondern nur als Werkzeug, um die Wechselkurstheorie verdaulicher zu machen.“The Economist, Methodikseite des Big Mac Index – aus dem Englischen übersetzt

Der Scherz ist in gewissem Sinne aus dem Ruder gelaufen. Die Zeitschrift stellt selbst fest, dass der Index „zu einem weltweiten Standard geworden ist, in mehrere Wirtschaftslehrbücher aufgenommen und Gegenstand von mindestens zwanzig wissenschaftlichen Studien“. Die Review der Federal Reserve Bank of St. Louis widmete ihm 2003 einen zwanzigseitigen Artikel unter dem Titel „Burgernomics“, der die Abweichungen von dem untersucht, was seine Autoren „McParität“ nennen.

Nützliche Klarstellung: Nichts deutet darauf hin, dass eine Zentralbank diesen Index als geldpolitisches Instrument verwendet. Belegt ist, dass er in einer Forschungszeitschrift der Fed von St. Louis untersucht wurde und in Universitätslehrbüchern steht.

Die Grenzen, von seinen Urhebern anerkannt

Die wichtigste Verzerrung ist struktureller Natur: Die Durchschnittspreise sind in armen Ländern niedriger, weil dort die Arbeitskosten niedriger sind. Ein billiger Big Mac in Peking beweist also nicht viel. The Economist führte im Juli 2011 eine bereinigte Version ein, die den Preis des Hamburgers zum Bruttoinlandsprodukt pro Kopf ins Verhältnis setzt:

„Um den Gleichgewichtswert einer Währung zu schätzen, verwenden wir die Ausgleichsgerade zwischen den Big-Mac-Preisen und dem BIP pro Kopf. Die Differenz zwischen dem für jedes Land angesichts seines Durchschnittseinkommens vorhergesagten Preis und seinem tatsächlichen Preis ist ein besserer Leitfaden für Unter- oder Überbewertung als der ‚rohe‘ Index.“The Economist, 28. Juli 2011 – aus dem Englischen übersetzt

Weitere Grenzen werden eingeräumt: die nicht handelbaren Kosten (Immobilien), die Margen, die Werbung, die Besteuerung, der Grad des lokalen Wettbewerbs, der gesellschaftliche Status von Fast Food und die Tatsache, dass das Produkt selbst variiert – in Indien wird der Index mangels Rindfleisch anhand des Maharaja Mac berechnet. Schließlich ist die geografische Abdeckung auf die Präsenz der Marke beschränkt: In Afrika umfasst der Index nur eine Handvoll Länder.

Die neuesten Werte

Nach den von The Economist in seinem öffentlichen Repository veröffentlichten Daten betrifft die jüngste Erhebung den 1. Januar 2026 und umfasst 54 Länder und Gebiete. Der amerikanische Big Mac dient mit 6,12 Dollar als Referenz.

Land oder GebietPreis in Dollar umgerechnetRohe Abweichung gegenüber den Vereinigten Staaten
Schweiz9,08 $+48,4 %
Uruguay8,76 $+43,1 %
Vereinigtes Königreich7,08 $+15,7 %
Euroraum7,05 $+15,3 %
Vereinigte Staaten6,12 $Referenz
China3,66 $−40,2 %
Japan3,03 $−50,5 %
Indien (Maharaja Mac)2,51 $−58,9 %
Taiwan2,47 $−59,6 %

Ein Detail, das keines ist

Dass der Preis eines Hamburgers als Maßstab dienen kann, setzt eines voraus: dass das Produkt überall streng identisch ist und dass das Netz diszipliniert genug ist, damit es so bleibt. Genau das gewährleistet die Kontrolle des Franchisegebers über seine Franchisenehmer – dieselbe Kontrolle, mit der der Vertrag die kleinsten Details regelt. Der Index von The Economist misst nicht nur Wechselkurse; er belegt indirekt die Einheitlichkeit eines Netzes.

Schließlich ist anzumerken, da der Preis hier die Variable ist: Das europäische Wettbewerbsrecht verbietet es dem Franchisegeber gerade, seine Verkaufspreise vorzuschreiben – er kann sie nur empfehlen.

Ein Index, den das Unternehmen nicht bestellt hat

Weder die McDonald's Corporation noch ihre Tochtergesellschaften wirken an der Erstellung des Index mit: Sie liefern weder die Daten noch die Methode. Die Zeitschrift erhebt die ausgewiesenen Preise, wendet den Wechselkurs an und veröffentlicht. Das Sandwich dient als Maßstab, weil es fast überall identisch hergestellt wird – seine Standardisierung, nicht seine Marke, macht es zum Messinstrument.

Der Big Mac führt im Übrigen mehrere Parallelleben. Er ist auch eine Marke – deren europäische Eintragung 2024 teilweise gefallen ist, mangels ausreichenden Benutzungsnachweises, am Ende eines Verfallsverfahrens. Und er ist für einen Einwohner von Wisconsin namens Don Gorske Gegenstand eines anerkannten Weltrekords: mehr als 35.000 Exemplare seit 1972.

Quellen

Externe Links zu den Originaldokumenten und -veröffentlichungen.

  1. The Big Mac index – Methodikseite - The Economist
  2. The Big Mac index: Currency comparisons, to go (Einführung des BIP-bereinigten Index, 28. Juli 2011) - The Economist (Archiv)
  3. big-mac-data – offizielle Rohdaten des Index (öffentliches Repository) - The Economist, GitHub
  4. Michael R. Pakko & Patricia S. Pollard, „Burgernomics: A Big Mac Guide to Purchasing Power Parity“, Review, November 2003 (PDF) - Federal Reserve Bank of St. Louis
  5. Kwok Tong Soo, „Are hamburgers harmless? The Big Mac Index in the twenty-first century“ (PDF) - Lancaster University

In der Akte Collorafi

Die Originaldokumente des Prozesses, die mit diesem Artikel in Zusammenhang stehen.

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